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Gründung

Fünf Marketing-Fehler, die Gründerinnen und Gründer am meisten kosten

Chris Reiner23.07.20268 Min.

Nach achtzehn Jahren Agenturarbeit wiederholen sich die Fehler bei Gründungen mit erstaunlicher Verlässlichkeit. Teuer sind dabei selten die falschen Entscheidungen – teuer ist, sie zweimal treffen zu müssen. Fünf Muster, ihre Kosten und was stattdessen funktioniert.

Fünf Poller an der Kaimauer, vier Leinen belegt, eine lose in Magenta treibend – Sinnbild für den einen Fehler, der teuer wird

Gründungen scheitern selten am Marketing. Sie verlieren aber regelmäßig Geld und Zeit an Fehlern, die vermeidbar sind – und die sich in unserer Agenturpraxis so verlässlich wiederholen, dass man sie aufschreiben kann.

Die folgenden fünf kosten am meisten. Nicht, weil die Entscheidung falsch war, sondern weil sie ein zweites Mal getroffen werden muss.

1. Gestalten, bevor die Position steht

Der Fehler: Das Logo wird beauftragt, bevor klar ist, für wen das Angebot gedacht ist und wodurch es sich unterscheidet. Danach passt es nicht – und alles, was darauf aufbaut, muss mit.

Was es kostet: Ein zweiter Anlauf bedeutet nicht nur ein zweites Logo. Er bedeutet neue Geschäftsausstattung, neue Website-Gestaltung, neue Fahrzeugbeschriftung, neue Beschilderung. Aus 850 Euro für ein Logo werden schnell 4.000 bis 6.000 Euro Folgekosten – plus der Verlust an Wiedererkennung bei allen, die Sie schon kennen.

Was stattdessen funktioniert: Beantworten Sie drei Fragen schriftlich, bevor jemand gestaltet. Für wen genau? Statt wem? Woran merkt der Kunde den Unterschied? Das kostet einen Nachmittag und rettet den vierstelligen Betrag.

2. Die Website als Selbstzweck

Der Fehler: Die Website wird gebaut, weil man eine braucht – nicht, um eine bestimmte Handlung auszulösen. Ergebnis ist eine Seite, die über das Unternehmen spricht statt über das Problem des Kunden, und auf der der nächste Schritt nicht erkennbar ist.

Was es kostet: Nicht die Herstellung, sondern die entgangenen Anfragen. Eine Website, die Besucher nicht in Kontakte verwandelt, ist kein günstigeres Marketing – sie ist bezahltes Marketing ohne Rückfluss.

Was stattdessen funktioniert: Legen Sie vor dem ersten Entwurf fest, was auf jeder Seite passieren soll. Anruf? Formular? Terminbuchung? Wenn Sie diese Frage für eine Seite nicht beantworten können, brauchen Sie die Seite nicht.

Fünf gute Seiten schlagen fünfzehn mittelmäßige. Die häufigsten Fehler beim Websitebau haben wir in einem eigenen Beitrag gesammelt.

3. Das Google-Profil anlegen und liegenlassen

Der Fehler: Das Google Business Profile wird bei der Gründung angelegt und danach nie wieder angefasst. Öffnungszeiten veralten, Fotos fehlen, Bewertungen bleiben unbeantwortet.

Was es kostet: Für lokal tätige Betriebe ist das der teuerste Fehler der Liste – weil er den Kanal betrifft, der ohne Mediabudget am schnellsten Anfragen bringt. Wer in Norderstedt, Quickborn oder Hamburg gefunden werden will, wird über die Karte gefunden, nicht über die Website.

Ein verwaistes Profil wirkt zudem aktiv abschreckend: unbeantwortete Kritik, alte Bilder und falsche Zeiten signalisieren einen Betrieb, der es womöglich nicht mehr gibt.

Was stattdessen funktioniert: Eine Stunde im Monat. Ein Beitrag, zwei bis drei aktuelle Fotos, alle Bewertungen beantwortet – auch und gerade die kritischen. Und die Firmierung überall in exakt derselben Schreibweise, damit Suchmaschinen und KI-Systeme die Angaben eindeutig zuordnen können.

Wie das im Detail aussieht, steht in unserem Beitrag zu Local SEO und dem Google Business Profile.

4. Werbebudget ohne Messung

Der Fehler: Anzeigen werden geschaltet, bevor messbar ist, was aus ihnen wird. Nach drei Monaten steht die Frage im Raum, ob es sich gelohnt hat – und niemand kann sie beantworten.

Was es kostet: Das gesamte Budget wird zum Lehrgeld. Bei 500 Euro im Monat sind das 1.500 Euro pro Quartal, aus denen keine Erkenntnis entsteht. Schlimmer noch: Ohne Zahlen wird die Entscheidung über eine Fortsetzung nach Bauchgefühl getroffen.

Was stattdessen funktioniert: Erst messen, dann werben. Konkret heißt das: ein Analysewerkzeug mit sauberer Einwilligungslösung, definierte Zielaktionen wie abgeschickte Formulare und Anrufe, und eine ehrliche Zuordnung, welche Anfrage woher kam.

Ein einfacher Anfang, der bereits viel bringt: Fragen Sie jeden neuen Kunden, wie er auf Sie gekommen ist, und notieren Sie die Antwort. Nach zwanzig Kunden wissen Sie mehr als aus manchem Dashboard.

5. Zu viele Kanäle zu früh

Der Fehler: Website, Instagram, Facebook, LinkedIn, ein Newsletter und Google Ads – alles gleichzeitig, im ersten halben Jahr, neben dem eigentlichen Geschäft.

Was es kostet: Nicht Geld, sondern Aufmerksamkeit. Sechs halbherzig bespielte Kanäle wirken schwächer als zwei gut gepflegte. Und der Aufwand fehlt genau dort, wo in der Startphase die Musik spielt: beim Kundengespräch.

Was stattdessen funktioniert: Zwei Kanäle im ersten Jahr. Für lokal tätige Betriebe in aller Regel Google Business Profile plus Website. Für beratende Berufe eher Website plus ein soziales Netzwerk, in dem Ihre Zielgruppe tatsächlich unterwegs ist. Alles Weitere kommt, wenn die ersten beiden laufen.

Das Muster hinter allen fünf

Vier der fünf Fehler haben dieselbe Ursache: Es wird umgesetzt, bevor entschieden ist. Gestaltung vor Positionierung, Website vor Zielsetzung, Werbung vor Messung, Kanäle vor Fokus.

Die Reihenfolge umzudrehen kostet in der Startphase Geduld – und spart im ersten Jahr den vierstelligen Betrag, den der zweite Anlauf verschlingt.

Hinweis: Für die Beratung, die vor der Umsetzung steht, gibt es öffentliche Zuschüsse. Welche in Schleswig-Holstein und Hamburg tatsächlich offenstehen, steht in unserem Beitrag zu Fördermitteln für Marketing – und ein wichtiges Bundesprogramm läuft Ende 2026 aus.

Wenn Sie prüfen möchten, welcher dieser Punkte bei Ihnen ansteht, sprechen Sie uns an. Ein unverbindliches Erstgespräch sortiert das meist in dreißig Minuten. Für Gründungen haben wir die ersten Schritte in feste Gründerpakete gefasst.

Chris Reiner

Über den Autor

Chris Reiner, Gründer & Creative Director bei eyedee

Seit über 18 Jahren verbindet Chris Strategie, Kreation und Technik – vom Markenauftritt bis zur Kampagne. Sein Anspruch: Marketing, das sich rechnet. Gemeinsam mit seinem Team denkt er Projekte von den Zielen her, misst konsequent und optimiert laufend weiter. Belastbare Ergebnisse statt schneller Versprechen. Mehr über die Agentur und das Leistungsspektrum.

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