Website-Relaunch: Die teuersten Fehler aus 18 Jahren Praxis
Die Antwort in Kurzform
Relaunches scheitern selten an der Gestaltung und fast immer an drei Dingen: an fehlenden Zielen (niemand hat definiert, was die neue Website besser können muss), an Inhalten, die zu spät kommen, und an vergessener Technik-Hygiene – allen voran den Weiterleitungen alter Adressen. Wer diese drei Baustellen von Anfang an ernst nimmt, hat die teuersten Fehler bereits vermieden. Der Rest ist Handwerk.
Fehler 1: Relaunch ohne Ziel
„Die Seite ist halt alt“ ist ein Anlass, kein Ziel. Ohne definierte Ziele – mehr qualifizierte Anfragen, weniger Erklärbedarf im Vertrieb, selbstständige Inhaltspflege – lässt sich weder gut entscheiden noch hinterher bewerten. Jede Designdiskussion wird zur Geschmacksfrage, weil der Maßstab fehlt. Die erste Projektphase gehört deshalb nicht dem Layout, sondern der Frage: Woran erkennen wir in einem Jahr, dass sich der Relaunch gelohnt hat? Ob es überhaupt Zeit für einen Relaunch ist, klärt unser Beitrag „Woran Sie erkennen, dass es Zeit ist“.
Fehler 2: Inhalte kommen zuletzt
Der Klassiker: Das Design steht, die Entwicklung wartet – auf Texte, die „nächste Woche“ kommen, seit acht Wochen. Layouts mit Platzhaltertexten sind Attrappen; sobald die echten Inhalte eintreffen, passt nichts mehr, und die teuerste Phase des Projekts beginnt von vorn. Die Reihenfolge gehört umgedreht: erst klären, was die Website sagen muss und wem, dann gestalten, was diese Inhalte am besten trägt. Inhalt ist nicht das Füllmaterial des Designs – es ist andersherum.
„In 18 Jahren hat kein einziges Projekt wegen des Designs den Termin gerissen. Es waren immer die Inhalte. Wer beim Relaunch zuerst über Texte spricht statt über Farben, ist schneller fertig – und besser.“
Chris Reiner, Gründer & Creative Director bei eyedee
Fehler 3: Weiterleitungen vergessen
Der teuerste Fehler der Liste, weil er unsichtbar passiert: Mit dem Relaunch ändern sich Seitenadressen – und jede alte Adresse, die ins Leere läuft, verbrennt über Jahre aufgebaute Sichtbarkeit. Google wertet tote Links ab, Besucher landen auf Fehlerseiten, mühsam verdiente Verlinkungen anderer Websites verpuffen. Die Versicherung dagegen ist unspektakulär: eine vollständige Liste aller alten Adressen und eine saubere 301-Weiterleitung jeder einzelnen auf ihr neues Pendant – nicht pauschal auf die Startseite. Diese Liste gehört ins Pflichtenheft, nicht in die Nachsorge.
Fehler 4: Technik vor Anforderungen
„Wir machen das mit System X, das nutzen doch alle“ – und ein Jahr später kämpft ein Zwei-Personen-Marketing mit einem System, das für Konzernredaktionen gebaut wurde. Oder umgekehrt: Der schicke Baukasten stößt an Grenzen, sobald der Shop, die Mehrsprachigkeit oder die Schnittstelle kommt. Die Systemwahl ist eine Anforderungsfrage: Wer pflegt die Inhalte, was muss angebunden werden, wohin soll das Ganze in drei Jahren wachsen? Erst danach fällt die Technikentscheidung – nicht als erste Zeile des Angebots.
Fehler 5: Messung erst nach dem Launch
Wer die Webanalyse erst auf der neuen Seite einrichtet, hat keinen Vergleichspunkt – und kann die Kernfrage aus Fehler 1 nie beantworten. Zum sauberen Relaunch gehört eine Bestandsaufnahme vorher: Welche Seiten bringen heute Besucher und Anfragen, welche Suchbegriffe tragen? Diese Basislinie entscheidet mit, welche Inhalte bleiben müssen, und macht den Erfolg hinterher belegbar. Was sich davon im Zeitalter der Consent-Banner noch messen lässt, behandelt unser Beitrag zur Messbarkeit 2026.
Fehler 6: Der Launch als Ziellinie
Viele Projekte behandeln den Livegang als Ende – dabei ist er der Start. Die ersten Wochen danach zeigen, wo Besucher hängen bleiben, welche Seiten nicht gefunden werden, wo Formulare abgebrochen werden. Wer dafür weder Budget noch Zuständigkeit eingeplant hat, friert die Website im Zustand ihrer ersten Vermutungen ein. Ein Relaunch ohne Nachsorgephase ist wie ein Stapellauf ohne Probefahrt.
Fehler 7: Alles auf einmal
Neue Marke, neue Website, neuer Shop, neues CRM – gern gleichzeitig, gern zum Messetermin. Jedes zusätzliche Gewerk multipliziert Abhängigkeiten und Risiko; wenn dann etwas klemmt, klemmt alles. Meist ist die Etappenlösung robuster: erst das Fundament, dann die Ausbaustufen – jede mit eigenem, messbarem Abschluss. Das ist unspektakulärer, aber es kommt an. Wie solche Projekte bei uns ablaufen, zeigen die Seite Websites & Shops und ein Blick in unsere Projekte.
Und der achte Fehler: die falsche Erwartung
Manche Probleme kann der schönste Relaunch nicht lösen – und das ehrlich zu sagen, gehört zur Beratung. Wenn niemand die Website besucht, ist selten das Design schuld, sondern die fehlende Sichtbarkeit; dann ist die Antwort Marketing, nicht Umbau. Wenn Besucher kommen, aber nicht anfragen, kann es an der Seite liegen – oder am Angebot, am Preis, an einer unscharfen Positionierung, die auch die neue Seite nur schöner verpackt. Ein Relaunch ist ein Verstärker: Er macht ein klares Angebot klarer und ein diffuses teurer. Deshalb beginnt ein gutes Projekt mit der unbequemen Frage, ob das Problem wirklich die Website ist. Manchmal lautet unsere Empfehlung im Erstgespräch, das Relaunch-Budget erst einmal in die Positionierung oder in die Sichtbarkeit zu stecken – auch wenn wir damit gegen unser eigenes Angebot argumentieren. Ein Projekt, das die falsche Krankheit behandelt, wird kein gutes Projekt, egal wie sauber es umgesetzt ist.
Die kürzeste Relaunch-Checkliste der Welt: 1. Ziele schriftlich. 2. Inhalte vor Design. 3. Weiterleitungsliste vollständig. 4. System nach Anforderungen. 5. Basislinie messen. 6. Nachsorge einplanen. 7. Etappen statt Big Bang. Wer alle sieben abhaken kann, dem kann beim Relaunch nicht mehr viel passieren.
Fazit
Keiner dieser Fehler ist exotisch – das ist das Tückische. Sie passieren in gut geführten Unternehmen mit fähigen Dienstleistern, weil sie in den unspektakulären Phasen des Projekts lauern: vor dem ersten Entwurf und nach dem Applaus zum Livegang. Ein Relaunch ist zu teuer, um ihn zweimal zu machen. Wenn Sie vor einem stehen und wissen möchten, wo Ihre Risiken liegen: Das Erstgespräch ist unverbindlich.